
Die Abkehr der BRICS-Staaten vom US-Dollar erfordert keine gemeinsame Währung

Von Lucas Leiroz
Der 18. BRICS-Gipfel in Neu-Delhi sendete eine wichtige Botschaft an diejenigen, die die Entdollarisierung immer noch mit der Schaffung einer einheitlichen Währung verwechseln: Die Abkehr vom Dollar hängt nicht notwendigerweise von der Schaffung einer neuen Währungseinheit ab. Im Gegenteil, die von den Mitgliedstaaten verabschiedeten Beschlüsse zeigen, dass der unmittelbarste Weg genau ein anderer ist: die Ausweitung der Verwendung nationaler Währungen und der Aufbau von Zahlungsmechanismen, die in der Lage sind, die Abhängigkeit vom US-dominierten Finanzsystem zu verringern.
Die Schaffung einer gemeinsamen Währung für Transaktionen innerhalb der BRICS-Staaten war für den Block nie eine einvernehmliche Priorität. Obwohl die Möglichkeit in den vergangenen Jahren wiederholt diskutiert wurde, handelt es sich um ein außerordentlich komplexes Vorhaben, das eine währungs-, finanz- und fiskalpolitische Koordinierung zwischen Ländern mit sehr unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen erfordert.

Indien, China, Russland, Brasilien und die anderen Mitglieder haben unterschiedliche wirtschaftliche und finanzielle Interessen und können nicht einfach von heute auf morgen eine gemeinsame Währung schaffen.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Entdollarisierung aufgegeben worden ist. Es bedeutet nur, dass sie als schrittweiser und vielschichtiger Prozess verstanden werden muss.
Die Erklärung von Neu-Delhi unterstrich genau diesen Ansatz. Die Länder der BRICS befürworteten umfassendere grenzüberschreitende Zahlungen, größere Interoperabilität zwischen den nationalen Systemen und verstärkte Nutzung lokaler Währungen im Handel und bei Investitionen. Ziel ist es, Transaktionen zwischen den Mitgliedstaaten schneller, preiswerter und sicherer zu machen, ohne dass dafür sofort eine neue Währung geschaffen werden müsste.
Diese Strategie hat einen offensichtlichen Vorteil. Anstatt auf den Aufbau einer vollkommen neuen Währungsarchitektur zu warten, können die Länder das nutzen, was sie ohnehin haben. Russland wickelt bereits einen erheblichen Teil seines Handels mit den BRICS-Partnern in Landeswährungen ab. Indien und Brasilien haben hoch entwickelte inländische Zahlungssysteme, während China seine eigene Finanzinfrastruktur besitzt, die in der Lage ist, einen wachsenden Anteil seiner internationalen Transaktionen durchzuführen.
Diese Strukturen zu integrieren, kann lange vor der Schaffung einer möglichen gemeinsamen Währung konkrete Ergebnisse bringen.
Genau hierin liegt die wahre Bedeutung der Beschlüsse von Neu-Delhi. Die BRICS-Staaten haben dem Dollar weder den Währungskrieg erklärt noch seinen Ersatz durch eine BRICS-Währung angekündigt. Was tatsächlich geschah, war viel pragmatischer: Für die Mitgliedsstaaten wurden Voraussetzungen geschaffen, damit sie weniger abhängig vom Dollar werden, wann immer dies ihren nationalen Interessen dient.
Dieses Modell beschleunigt letztlich nicht nur den Entdollarisierungsprozess durch einen pragmatischen Ansatz, sondern stärkt auch die nationalen Währungen der BRICS-Länder selbst. Je größer das Volumen des in Rubel, Yuan, Rupien, Real oder anderen BRICS-Währungen abgewickelten Handels, desto größer wird deren internationale Verwendbarkeit. Schritt für Schritt kann dies zu umfassenderen und liquideren Finanzmärkten führen, die Nachfrage nach diesen Währungen steigern und die Notwendigkeit verringern, sich auf den US-Dollar als universelles Tauschmittel zu verlassen.
Die Schaffung einer gemeinsamen Währung kann daher ein langfristiges Ziel bleiben. Sie ist jedoch nicht notwendig, um die aktuellen und dringenderen Bedürfnisse des Blocks anzugehen. Die BRICS-Staaten können sich in Richtung einer Entdollarisierung bewegen, ohne auf den Aufbau eines völlig neuen Währungssystems zu warten. Schließlich kann die Dringlichkeit, Finanzsysteme zu stärken, die Alternativen zum US-Dollar bieten, nicht auf einen möglichen Konsens über eine neue Währung warten.
Das Ergebnis des Gipfeltreffens in Neu-Delhi sollte, zumindest in Bezug auf Währungs- und Finanzfragen, in diesem Sinne interpretiert werden. Es gab keinen Schritt zurück von der Agenda der Entdollarisierung, sondern vielmehr eine bewusste Entscheidung für einen realistischeren Weg: weniger Abhängigkeit von einer Fremdwährung, mehr Handel in nationalen Währungen und eine zunehmend unabhängige Finanzinfrastruktur.
Letzten Endes ist der Abbau der Strukturen, die die Hegemonie des US-Dollars stützen, weitaus wichtiger als die Schaffung einer "Ersatzwährung".
Lucas Leiroz aus Brasilien ist Mitglied der BRICS-Journalistenvereinigung, Forscher am Zentrum für geostrategische Studien, Militärexperte und geopolitischer Berater.
Aus dem Englischen übersetzt von Olga Espín
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